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  Die Trojaner
 
 

"Die <Troyens> (1856-1858) von Hector Berlioz (1803-1969) sind eine Städteoper, in der die Gründung von Rom einerseits den Untergang von Troja und Karthago, andererseits den Freitod von Kassandra und Dido zur Voraussetzung hat. Troja wie Karthago sind politisch unmündige Städte, in denen weitsichtige, theologisch emanzipierte Frauen vergeblich versuchen, das Volk für einen politischen Entscheidungskampf hinter sich zu bringen. Dido schafft es beinahe, fällt aus Liebe zu Äneas von ihrem Volke ab. Auf sie ist Karthago gegründet, sie ist eine moderne Herrscherin, die auf Wohlstand und Frieden ein Reich errichtet hat, das Bestand hätte ohne das Auftauchen des Äneas. In Troja ist die Situation eine andere: Priamus, auf den Troja politisch festgelegt ist, verkörpert ein überlebtes Herrschaftsprinzip. In beiden Fällen erweist sich die Stadt als trügerische Lebensform und als unfähige Bewahrerin von historischer Aufgehobenheit. ..... Äneas ist für Berlioz ein unfertiger Mensch, ein Mann der Blindheit und der Zerstörung. Äneas ist der Zerstörer Trojas; er macht die Aufnahme des Trojanischen Pferdes in seine Stadt erst möglich durch sinnlose, fanatische Befolgung nicht durchschauter Götterbefehle.

Die Oper ist auch eine Geschichte über tote Götter, die herrschen durch diffuse Aufträge an ihre Sklavenmenschen, zweideutige Tricks und Zaubereien. Zu ihnen gehört ihre Dauerfähigkeit, Tote mit ihren Botschaften auftreten zu lassen. Götter gibt es nicht mehr, man spricht nur noch über sie; das gibt ihnen Macht. Der moderne Berlioz muss im Hinblick auf die Inszenierung seiner Werke neu gelesen werden. Im Heute und für heute." - Von Hermann Hofer <Dichtung und Musik, Musik in der Dichtung - Hector Berlioz und die literarische Moderne> - (NZZ vom 6. / 7. Dezember 2003).

<Abfertigung der Nationalliberalen Presse nebst einer höchst nöthigen Belehrung über den Ultramontanismus> "..... Haben gleichwohl die Könige und Fürsten selbst das meiste dazu gethan, daß die römischen Rechtsbegriffe zur Geltung gelangten, so mögen sie auch die Folgen davon tragen, die sich jetzt in dem Zusammenbrechen aller Throne offenbaren. ..... Vor allem endlich müssen die Föderalisten, wie sie auch sonst denken mögen, jedenfalls in dem römischen Rechte ihren Todfeind erblicken, so gewiß als dieses Recht, in alter wie in neuerer Zeit, die Wiege aller Centralisationstendenzen gewesen ist. Wie deutlich zeigt davon auch die Thatsache, daß hingegen grade diejenigen Länder sich bisher noch am meisten der Centralisation erwehrt haben, wo das römische Recht nicht zur förmlichen Anerkennung gelangte: d. h. die Schweiz, England und Nordamerika! Und darauf beruht dort die politische Freiheit. Diese Thatsache sollte uns zum Nachdenken auffordern." - von Constantin Frantz; * 1817 in Halberstadt; + 1891 in Blasewitz (heute Dresden); sächsischer Historiker - 1873.

                                                                                                                                         

Fürst Bismarck im deutschen Reichstag am 28. November 1885. "..... Ich habe das gelernt, daß mit den Grundsätzen der Politik des Zentrum weder das deutsche Reich, noch der Preußische Staat auf Dauer existieren können. Ich habe gelernt, daß ein Bund mit den Herren nicht zu flechten ist, ohne die Existenzbedingungen der preußischen Monarchie aufzugeben."

"Die mit Zähigkeit an einer zünftigen Gewerbeorganisation, an altem Handwerksbrauch, an Zucht und Sitte im Gewerbe, im Familienleben festhalten, die Rechte einer starken Autorität ihren Arbeitern gegenüber für sich in Anspruch nehmen, zu Zugeständnissen andererseits kaum geneigt sind, bilden gegenwärtig wohl die Mehrheit in dem mit Beschwerden und Wünschen an die Öffentlichkeit tretenden Handwerkerstand. .....  In neuerer Zeit haben sich, was nicht unerwähnt bleiben mag, Schriftsteller und Dichter des Handwerkers als einer dankbaren Roman- und Schauspielfigur bemächtigt, freilich dabei in subjektiver Selbstherrlichkeit nur eine Seit der sozialen, die dichterische Bearbeitung herausfordernden Fragen beleuchtet. Nur der im Kampfe mit dem Groß-Betriebe untergehende Typus des Handwerkers, nicht jener des im Sonnenscheine des Erfolges schaffende Mann, hat Gnade vor den Augen der heutigen Poeten gefunden. Nun pflegt man die Dichter die wetterverkündenden Sturmvögel der kommenden Zeit zu nennen, hier aber wird man sich doch wohl hüten müssen, einer Moderichtung der Zeit, dem Pessimismus, zu folgen und Einzelerscheinungen für das Gesamtbild zu nehmen. Hüben wie drüben wird vielfach mit leeren Schlagworten, mit selbstgefälligen, raschen Urteilen der sogenannten öffentlichen Meinung, die in diesem Falle häufig wenig mehr als die private Faulheit des Einzelnen darstellt, operiert." - von Hugo Böttger <Das Programm der Handwerker - Eine gewerbepolitische Studie> - 1893

"Unter den Rechtsgebieten, in denen sich öffentliches Recht und Privatrecht berühren, steht das Liegenschaftsrecht obenan. Dieses hat im Verhältniß zum bisherigen Recht so erhebliche Abänderungen erfahren, und die Bestimmungen darüber, was von dem alten Recht in Geltung geblieben ist, sind so verstreut, daß ein Ueberblick über die wichtigsten zur Zeit für Sachsen im Wege der Landesgesetzgebung erlassenen Vorschriften des Immobiliarsachenrechts wohl von Interesse sein dürfte. ..... Die Rechtsänderung wird nicht durch die Eintragung allein herbeigeführt, sie ist dann gültig, wenn der dingliche Vertrag vorliegt. Der obligatorische (schuldrechtliche) Vertrag ist für den Eigenthumsübergang ohne Bedeutung. Die Form des dinglichen Vertrages ist, wenn das Eigenthum am Grundstück übertragen oder das Erbbaurecht bestellt oder übertragen wird - nur die Auflassung. Die privatrechtlichen Beweise sind gemäß § 313 BGB - Beurkundungszwang zu sichern." - von Landrichter Dr. Gallenkamp <Das neue Liegenschaftsrecht in seinen Beziehungen zum öffentlichen Recht in Sachsen> - 1900.

"Eine der wesentlichsten Züge des Ausnahmezustands - vorübergehende Abschaffung der Unterscheidung zwischen Legislative, Exekutive und Jurisdiktion - zeigt hier die Tendenz, sich in ständige Praxis des Regierens zu wandeln. ..... Die Bezeichnungen <Belagerungszustand> und <Kriegsrecht> stellen einen Zusammenhang mit dem Kriegszustand her. Der Ausnahmezustand ist kein Sonderrecht (wie das Kriegsrecht); er bestimmt, indem er die Rechtsordnung suspendiert, deren Schwelle oder Grenzbegriff. ... Wie vorauszusehen war, setzte sich die Ausweitung der Exekutivgewalt auf den Bereich der Legislative nach Ende der Feindseligkeiten fort, und es ist bezeichnend, daß an die Stelle des militärischen der ökonomische Ausnahmefall trat; nach 1918 wurden Krieg und Ökonomie stillschweigend gleichgesetzt. ...." von Giorgio Agamben, italienischer Philosoph <Ausnahmezustand> - 2004.

Wenn Landesbischof Jochen Bohl im Rahmen ZukunftsWerk Stadt Dresden auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. über Armut in unserer Gesellschaft schwadroniert, hohe Lohnnebenkosten anprangert und unsensibel fortführt, dass das Diakonische Werk größter Arbeitgeber in der Bundesrepublik ist (450.000), stellt sich 2007 die Frage: "Ist Jochen Bohl als Westfale gebenedeite Einfalt der Einfältigen oder perfider Demagoge im Sinne des ökonomischen Ausnahmezustandes?"

Nachtrag vom 24. April 2008:

Eine socialdemokratische Petition

Dienstag, den 14. September 1886

Von einer Commission Dresdner Cigarrenarbeiter ist eine Petition an Bundesrath und Reichstag ausgearbeitet worden, der Ergänzung von § 152 Reichs-Gewerbeordnung dahingehend verlangt, daß sämmtliche nach Landesrecht gültigen Einschränkungen der Vereinsfreiheit aufgehoben werden, es hinfort allen die Verbesserung des Looses der Arbeiter erstrebenden Vereinigungen freistehen soll, unter einander in Verbindung zu treten. Der eigentliche Zweck dieser Petition, für welche die socialdemokratischen Agitatoren fleißig Stimmung machen, ist, den § 8 des preußischen Vereinsgesetzes zu beseitigen und damit eine Centralisation der Fachvereine zu ermöglichen. - Die zuständigen Gerichte haben indessen wiederholt ausdrücklich anerkannt, daß die reichsgesetzlich gewährleistete Coalitionsfreiheit landesgesetzliche Beschränkungen der Vereinsfreiheit nicht berühren kann; denn die erstere bezieht sich überhaupt nicht auf Vereine, welche, wie die Fachvereine eine Aenderung der Gesetzgebung anstreben, sondern verleiht nur den einzelnen Arbeitnehmern das Recht, die Bedingungen, unter denen sie dem Arbeitgeber ihre Arbeit verkaufen wollen, gemeinsam zu verabreden. - Verantwortlicher Herausgeber: Dr. jur. Hammann, Berlin

Amtspresse Preußens - V. Jahrgang. No. 91 - Neuestete Mitteilungen - 1886 - Internet

<Schutz der Arbeitswilligen>

Als nicht erforderlich wurden 1869 noch ausdrücklich bezeichnet: Bestimmungen zum Schutz der Arbeitswilligen nach Art der sächsischen Gewerbeordnung von 1861 und ähnliche damit im Zusammenhang stehende Verfügungen. - von Wolfgang Ritscher

<Koalitionen und Koalitionsrecht in Deutschland bis zur Reichsgewerbeordnung> 1917

<Wir stehen alle auf den Schultern von Karl Marx>

Gehört es nicht in die Sammlung <Treppenwitze der Weltgeschichte>, daß just in Trier, und zwar aus der Feder eines katholischen Theologen namens Marx, 1846 ein Aufsatz erschien. "Die Jesuiten als Lehrer des Communismus?" in <Jahrbuch für Katholiken auf das Jahr 1847>. Der Aufsatz enthält keine Anschuldigung, möchte nur den <neuen> Kommunisten vor Augen führen, daß Besseres schon früher von Jesuiten in Paraguay und Indien geleistet worden sei. Dieser Marx, Jacob, ist nicht verwandt mit Karl Marx.

Trotz widersprechender Behauptungen wurde Karl Marx - anders als z. B. Fidel Castro - nicht von Jesuiten erzogen. Dennoch bildet ein Jesuit, Oswald von Nell-Breuning, die Stadt Trier und Karl Marx eine Art Dreiecksverhältnis, das eine nähere Betrachtung lohnt: Oswald von Nell-Breuning - Ehrendoktor der Universität Frankfurt, Ehrenbürger der Stadt Frankfurt, Träger des Hans-Böckler-Preises des DGB, des Romano-Guardini-Preises der Katholischen Akademie in Bayern, der Goldenen Bonivatius-Plakette der Deutschen Bischofskonferenz - wurde, wie Karl Marx, in Trier geboren, Marx am 5. Mai 1818, von Nell-Breuning am 8. März 1890. Zu seinem 100. Geburtstag 1990 erschien eine Art Festschrift <Unbeugsam für den Menschen>. In ihr finden wir Huldigungen aus der Feder namhafter Persönlichkeiten: Norbert Blüm, Heiner Geißler, Oskar Lafontaine, Helmut Schmidt und Hans-Jochen Vogel.

Marx war sieben Jahre tot, als von Nell-Breuning geboren wurde. Und von Nell-Breuning war bereits 75 Jahre alt, als er im Fernsehinterview mit Günter Gaus den Ausspruch tat: "Wir stehen alle auf den Schultern von Karl Marx". Eine kühne Behauptung! Sie findet nicht ihresgleichen, nicht einmal aus der Feder marxistisch orientierter Sozialisten. Aus der Feder eines katholischen Theologen und Sozialwissenschaftlers ist sie allerdings einmalig. - Dieser Ausspruch wurde von Nell-Breuning übel genommen. - Von Nell-Breuning stellte dann 1971 fest: "Die große geistige Leistung von Marx ist seine Analyse der industriell-kapitalistischen Gesellschaft. ..... Weder die in Staat und Wirtschaft noch die im kirchlichen Bereich einflußreichen Kreise hatten den durch die Französische Revolution und den aufkommenden Industrialismus ausgelösten gesellschaftlichen Strukturwandel erkannt."

Die Verdienstzuweisung ist falsch. Werner Sombarts Standardwerk <Der proletarische Sozialismus>, zehn Auflagen zwischen 1896 und 1924, behandelt in einem eigenen Kapitel <Die Theorie des Klassenkampfes vor Marx>. Sombart genoß auch bei den sozialethisch-nationalökonomisch führenden Jesuiten großes Ansehen. Denn Leute wie Viktor Cathrein und Heinrich Pesch (Stimmen aus Marie Laach) kannten die Schriften von Sombart sehr genau. Dieser Irrtum war von Nell-Breuning unschwer, und zwar zwingend, nachzuweisen. ...... - von Konrad Löw

<Der Mythos Marx und seine Macher - Wie aus Geschichten Geschichte wird> - 1996

 

 
     
 
http://www.privatrechtskultur.de/index.htm  -  Zukunftsbilder I - III